Ein Jahr mit vielen Höhepunkten aber auch mit Tiefschlägen, mit Freud und Leid.
Zeit also eine kleine Rückschau zu halten.
Alles begann im Januar mit der Idee an Motorradrennen teilzunehmen. Nicht irgendwelche Rennen bei denen mit gesichtsloser Massenware aus Fernost gefahren wird. Fernost, sprich Japan war ja ok aber wenn dann mit Stil. Was lag also Näher als sich bei Klassischen Motorrädern umzusehen. Die richtigen Oldtimer werden heute nur noch zu Demofahrten hervorgeholt. Unsere Protagonisten wollten aber wirkliche Rennen fahren. In einer Motorsportzeitung fand sich dann die Lösung. Die Jungs von der Classic Superbike i. G. veranstalten Rennen mit Youngtimern. Die Spielwiese war also gefunden. Zur Auswahl stehen drei Klassen in den gefahren werden darf. Seriennahe Motorräder bis Baujahr 1983 mit 18 Zoll Fahrwerken, die sogenannte Vintage Klasse. Dann die AMA-Legends, diese Motorräder sind den Renngeräten der frühen Achtziger aus den USA nachempfunden. Aufgemotzte Serienmotoren mit modernen Fahrwerken und Profillosen Reifen. Als dritte und letzte Klasse die No Limits. Wie der Name schon sagt darf hier fast ohne Grenzen gebaut werden. Lediglich Rahmen und Tank müssen von ein und demselben Motorrad stammen welches nicht jünger als 1985 sein darf.
Genau diese Klasse sollte es sein. Wie sollte das Motorrad aussehen? Da gab es nur einen Weg. In eine Honda CB900F Bol d’or wurde ein 1127cm³ starkes Suzukitriebwek eingebaut, der Rahmen von Stereo- auf Zentralfederbein umgebaut. Ein fast modernes 17 Zoll Fahrwerk sollte die Leistung des leicht getunten 150PS starken Motors dann auf die Straße bringen. Bis alle Teile beschafft und verbaut waren stand aber schon das erste Rennen in Bremerhaven an. Für Testfahrten blieb keine Zeit. In Bremerhaven erwartete unser Team strahlendes Wetter, ein unbekannter Stadtkurs und 25.000 begeisterte Zuschauer. Nach einigen Problemen mit der Kupplung, der Vorderradgabel und einer im Training ausgefallenen Bremsanlage schaffte man es sich im vorderen Feld zu qualifizieren. In den Rennen zeigte sich das Motorrad, liebevoll „Lolita“ genannt als kleine Diva die in die Kurven gezwungen werden wollte. Dafür hat ihr Motor aber trotz bis dahin schlechter Abstimmung ordentlich nach vorne geschoben. In lauf eins konnte Fahrer Frank Maurer den 6. Platz erreichen in Lauf zwei reichte es nach einem kurzen halt wegen Problemen mit der Kette noch für den 7 Platz.
Das Rennwochenende war für alle beteiligten ein großer Erfolg da niemand damit gerechnet hatte dass man soweit vorne mit fahren würde. Somit war auch klar dass es in diesem Jahr noch weitergehen würde. Schnell war auch klar das es einen zweiten Fahrer geben würde.
Sebastian Eppner wollte in der Vintage Klasse starten. Geeignetes und bezahlbares Material zu finden war aber nicht so leicht wie erhofft und so zog sich die Anschaffung eines weiteren Motorrades bis kurz vor dem nächsten Rennen in Oschersleben hin. An eine ausreichende Vorbereitung des Materials war also nicht zu denken. Was später noch zu Komplikationen führen sollte.
Die Anreise nach Oschersleben gestaltete sich sehr entspannt da die Firma KamoTec einen neuen VW Crafter für die restlichen Läufe kostenlos zur Verfügung gestellt hat.
Lolita, das Rennmotorrad für die Klasse No Limits, bekam eine Überarbeitung der Vorderradgabel, eine verbesserte Vergaserabstimmung sowie eine neue Bremspumpe. Bei den ersten Metern auf dem Bördekurs in Oschersleben war klar, dieses Motorrad hat nichts mehr mit der störrischen Diva von Bremerhaven zu tun.
Am Samstag Morgen begaben sich beide Fahrer, Sebastian Eppner und Frank Maurer zum ersten freien Training. Die Strecke war trocken und alles schien gut. Die Zeiten aus dem freien Training ließen sich gut an. Da beide Piloten die Strecke noch nicht kannten war mit einer deutlichen Steigerung im ersten Zeittraining zu rechnen.
Dieses Training sollte aber nicht sehr lange dauern. Kaum das beide Fahrer eine Runde auf dem Kurs absolviert hatten erlitt ein Kawaskifahrer einen kapitalen Motorschaden. Das ausgelaufene Öl auf der Piste machte eine Fortführung des Trainings unmöglich. Damit nahm das Wochenende seinen Lauf und hatte noch einige Überraschungen für das MIG-Racing Team zu bieten.
Der Wettergott meinte es nicht sehr gut mit unseren Sportlern. Gegen Mittag regnete und stürmte es so stark das die mitgebrachten Pavillions diesen Naturgewalten nicht mehr länger standhalten konnten.
Das zweite gezeitete Training viel buchstäblich ins Wasser. An eine Verbesserung der Zeiten war nicht zu denken. Mangels Regenreifen entschied man sich in der Klasse No Limits nicht am Training teilzunehmen. Mit den Trockenrennreifen wäre das fahren einfach zu gefährlich gewesen.
In der Vintage Klasse darf nur mit Profilierten Reifen gefahren werden. Hier war es also möglich zu trainieren.
Aufgrund der Wettersituation im Training waren die Startplätze nicht wirklich das was man sich erhofft hatte. Immerhin hatten sich beide Fahrer Plätze im Mittelfeld sichern können. Bei einem Starterfeld von 36 Fahrern muss man sich aber auch mit dieser Leistung nicht verstecken.
Dann kam das erste Rennen am Samstag. Es war bis kurz vor dem Start zum ersten Lauf fast trocken auf der Piste. Dann fing es aber doch wieder an leicht zu regnen. Alles andere als ideale Voraussetzungen.
Nachdem das Feld auf die Reise geschickt wurde trocknete die Strecke aber innerhalb von zwei Runden fast komplett auf. Jetzt konnte endlich richtig Motorrad gefahren werden.
Platz 6 für Frank Maurer in der Klasse No Limits und Platz 4 für Sebastian Eppner in der Klasse Vintage zeigten das doch einiges an Potenzial im Team vorhanden ist und man sich auf dem richtigen Weg befindet. Hoffnungsvoll sah man dem zweiten Rennen am Sonntag entgegen.
Im ersten Rennen hatten sich bei Sebastian Eppner und seiner „Antje“ schon erste Probleme angekündigt. Gegen Ende des Rennens lief der Motor nicht mehr so rund wie gewohnt.
Im Warm Up am Sonntag sollte sich dann die ganze Tragweite dieses Problems darstellen.
Am Ende der Gegengeraden stellte der Motor seinen Dienst ein. Wie sich später herausstellte ein Pleullagerschaden. Somit war an eine Teilnahme am zweiten Rennen nicht mehr zu denken.
Alle Bemühungen gingen jetzt in die Richtung „Lolita“ für den zweiten Lauf entsprechend zu präparieren. Das Team leistete hier ganze Arbeit. Die im Rennen auch belohnt werden sollte.
Beim Start zum zweiten Lauf lief für Frank Maurer alles perfekt zusammen. Vom fünfzehnten Startplatz gelang es ihm bis zur ersten Kurve auf den fünften Platz vorzufahren. Nach den miserablen Wetterverhältnissen, den mäßigen Trainingsergebnissen und dem Ausfall in der Vintageklasse konnte am Ende ein vierter Platz in der Klasse No Limits gefeiert werden. Was das Team, nach ihrer Heimreise, im Landgasthof zum Wilden Zimmermann auch ausgiebig tat.
Zwei Veranstaltungen lagen nun hinter dem MIG-Racing Team. Man hatte gelernt und gesehen worauf es ankommt. Nun galt es sich auf das Abschlussrennen am Lausitzring vorzubereiten.
Bei „Antje“ stand nun eine komplette Revision des Motors an.
Bei „Lolita“ war eine Ölleitung defekt und die Auspuffanlage musste höhergelegt werden um ein aufsetzen in rechts Kurven zu vermeiden. Alle Arbeiten wurden bei der Fa. Zweiradtechnik Maurer in Hallenberg ausgeführt, unter Mithilfe des gesamten Teams.
Das Rennwochenende am Lausitzring stand an. Bestens präparierte Motorräder. Gut gelaunte Teammitglieder. So machte man sich auf den in den Osten gen Dresden.
Was Wetter war erstklassig. Ein wunderschönes Septemberwochenende lag vor unseren Sportlern.
Das erste freie Training zeigt dem Team das es sich hier um eine anspruchsvolle Piste handelte.
Beide Fahrer waren sich im klaren das hier wirklich Einsatz gefordert ist. Die beiden Trainings liefen sehr gut und insgeheim macht sich die Hoffnung breit in der No Limits klasse auf Treppchen zu fahren.
Aber wie so oft zeigt sich der Teufel steckt im Detail. Im zweiten Zeittraining stürzt Frank Maurer beim Versuch einen Fahrer zu überholen. Beim Überholvorgang ist er auf einen vor ihn fahrenden Piloten aufgelaufen. Ist auf die Curbs gefahren und hat dort einen tick zu fest an der Bremse gezogen.
Vorderrad eingeklappt und auf die Seite gestürzt wobei ein Motorseitendeckel beschädigt wurde.
In dessen folge die Piste mit auslaufendem Öl verdreckt wurde. Der Fahrer eines befreundeten Teams und der Teamkollege Sebastian Eppner stürzten in der Folge auf dem ausgelaufenen Öl.
Hier kann man nur von einem Supergau sprechen. Beide Motorräder wurden erheblich beschädigt. Ein Start in der Klasse No Limits war durch eine Schulterverletzung des Fahrers unmöglich geworden.
Auch für Sebastian Eppner viel der erste Rennlauf aus da die Zeit einfach zu kurz war um sein Motorrad wieder an den Start zu bringen. Gott sei dank blieb er Unverletzt.
In einer großartigen Teamleistung schaffte man es dann aber doch das Motorrad noch für das Warm Up und das darauffolgende Rennen wieder an den Start zu bringen.